Mastzellaktivierungssyndrom – Wenn das Immunsystem überreagiert
Mastzellen sind ein essenzieller Bestandteil der Immunabwehr. Doch was geschieht, wenn sie übermäßig reagieren und zu viele Botenstoffe freisetzen? Beim sogenannten Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) wird genau das zum Problem und verursacht Beschwerden in verschiedenen Bereichen deines Körpers. Erfahre hier, wie sich MCAS bemerkbar macht, wie die Diagnose aussieht und welche ganzheitlichen Therapieansätze infrage kommen.
Was sind Mastzellen und welche Aufgaben haben sie?
Mastzellen sind Zellen des Immunsystems. Sie sind von zentraler Bedeutung bei der körpereigenen Abwehr. Besonders viele von ihnen befinden sich dort, wo der Körper mit seiner Umwelt in Kontakt kommt, etwa in:
- der Haut
- den Schleimhäuten
- den Atemwegen
- dem Magen-Darm-Trakt.
Treffen Mastzellen etwa auf Krankheitserreger oder Allergene, reagieren sie innerhalb kurzer Zeit. Dabei setzen sie diverse Botenstoffe frei, die eine Immunreaktion auslösen und steuern. Auf diese Weise tragen Mastzellen dazu bei, den Körper vor schädlichen Einflüssen zu schützen.
Die Mastzellenaktivierung gehört also zu einer funktionierenden Immunabwehr. Erst wenn diese Reaktion aus dem Gleichgewicht gerät, kann sie Beeinträchtigungen verursachen.
Histamin: wichtiger Botenstoff der Mastzellen
Mastzellen enthalten zahlreiche Botenstoffe. Das sind körpereigene Substanzen, mit denen Zellen Informationen weitergeben und bestimmte Reaktionen auslösen. Einer dieser Botenstoffe heißt Histamin.
Wird eine Mastzelle aktiviert, kann sie Histamin freisetzen. Das Histamin wirkt anschließend an unterschiedlichen Stellen im Körper. Es erweitert unter anderem die Blutgefäße und beeinflusst die Haut, die Atemwege und den Verdauungstrakt. Dadurch können unter anderem Rötungen, Juckreiz, eine laufende oder verstopfte Nase und Magen-Darm-Beschwerden entstehen.


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Was ist das Mastzellaktivierungssyndrom (=MCAS)?
Beim Mastzellaktivierungssyndrom, kurz MCAS, werden Mastzellen wiederholt massiv aktiviert und setzen sehr viele Botenstoffe wie Histamin frei. Anders als bei einer normalen, situationsgerechten Mastzellaktivierung fällt die Reaktion hier übermäßig aus.
Die Mastzellen reagieren also zu stark oder auf Reize, die normalerweise keine so ausgeprägte Reaktion hervorrufen würden.
Die Beschwerden treten oft wiederkehrend oder in Schüben auf und können mehrere Bereiche des Körpers betreffen. Dadurch fällt das Mastzellaktivierungssyndrom von Mensch zu Mensch unterschiedlich aus.
MCAS wird derzeit intensiv erforscht. Eine offizielle Definition und die diagnostischen Kriterien werden in der Fachwelt noch diskutiert.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Mastozytose. Bei MCAS steht die übermäßige Aktivierung der Mastzellen und damit die verstärkte Freisetzung von Botenstoffen im Vordergrund. Bei einer Mastozytose liegen dagegen krankhaft veränderte Mastzellen vor, die sich bei den meisten Formen auch vermehrt im Körper ansammeln.
Welche Formen von MCAS gibt es?
Je nachdem, was hinter der überschießenden Aktivierung der Mastzellen steckt, lassen sich drei Formen unterscheiden:
- Primäres MCAS: Hier liegen Veränderungen der Mastzellen selbst zugrunde.
- Sekundäres MCAS: Die verstärkte Aktivierung entsteht etwa im Zusammenhang mit Allergien oder Infektionen. Auch bei Long Covid wird eine mögliche Beteiligung überaktiver Mastzellen diskutiert und erforscht.
- Idiopathisches MCAS: Bei dieser Form lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen.
Diese Unterscheidung ist wichtig, da hinter einer verstärkten Mastzellaktivierung verschiedene Auslöser stecken können.
Welche davon im jeweiligen Fall eine Rolle spielen, muss gezielt untersucht werden.
Wie macht sich MCAS bemerkbar?
Typisch für MCAS Symptome ist, dass sie wiederholt oder schubweise auftreten. Hierbei können mehrere Organsysteme gleichzeitig betroffen sein. Es ist auch möglich, dass sich die Symptome im Laufe der Zeit verändern.
Mögliche Anzeichen einer Mastzellenaktivierung sind:
- Atemwege: verstopfte Nase, Kurzatmigkeit, asthmaähnliche Beschwerden
- Haut: Juckreiz, Hautrötungen, Flush oder Nesselsucht
- Herz-Kreislauf-System: Herzrasen, Blutdruckschwankungen oder Schwindel
- Magen-Darm-Trakt: Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung
- Nervensystem und Allgemeinbefinden: Brain Fog, Konzentrationsprobleme, Müdigkeit oder starke Erschöpfung
Die Vielzahl möglicher Mastzellaktivierung Symptome erschwert eine konkrete Diagnose. Insbesondere bei Atemnot, Kreislaufproblemen oder schweren allergischen Reaktionen ist aber eine schnelle medizinische Abklärung erforderlich.
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Mastzellenaktivierung: Welche Faktoren tragen dazu bei?
Welche Reize eine verstärkte Mastzellaktivierung auslösen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Dazu gehören beispielsweise:
- Allergene wie Pollen oder Tierhaare
- bestimmte Lebensmittel
- bakterielle oder virale Infektionen
- Medikamente
- Stress und Schlafmangel
- starke körperliche Belastung
- Hitze, Kälte oder schnelle Temperaturwechsel
- Duftstoffe und andere Umweltreize
Nicht jeder Betroffene reagiert auf dieselben Trigger. Deshalb ist es nicht ratsam, vorsorglich alle möglichen Auslöser zu meiden. Viel wichtiger ist es, sich selbst zu beobachten und herauszufinden, welche Ursachen deine Symptome verstärken.
Wie wird ein Mastzellaktivierungssyndrom festgestellt?
Eine MCAS Diagnose gestaltet sich teilweise schwierig, da die Symptome unspezifisch sind und mehrere Organsysteme betreffen können. Eine ausführliche Anamnese bildet deswegen einen relevanten Teil der Diagnostik. Dabei wird unter anderem betrachtet:
- Welche Beschwerden auftreten.
- Ob und welche Trigger vorliegen.
- Welche Organsysteme betroffen sind.
- Ob Allergien oder Unverträglichkeiten bestehen.
Ergänzend liefern Laboruntersuchungen hilfreiche Hinweise. Dazu gehören – je nach Fragestellung – eine Vollblutanalyse und die Bestimmung der Tryptase.
Tryptase ist ein Enzym, das hauptsächlich in Mastzellen gespeichert und bei deren Aktivierung freigesetzt wird. Ein erhöhter beziehungsweise während einer Reaktion deutlich angestiegener Tryptasewert kann deshalb auf eine Mastzellaktivierung hindeuten.
Ein einzelner Laborwert reicht aber nicht aus, um MCAS festzustellen oder auszuschließen.
FAQ: Mastzellenaktivierungssyndrom
Behandlung: Was hilft gegen MCAS?
Die MCAS Behandlung richtet sich nach den individuellen Beschwerden, möglichen Triggern und zugrunde liegenden Auslösern. In der konventionellen Therapie kommen häufig Medikamente zum Einsatz, die die Wirkung der freigesetzten Botenstoffe begrenzen oder die Mastzellen stabilisieren. Dazu gehören vor allem H1- und H2-Antihistaminika sowie Mastzellstabilisatoren wie Cromoglicinsäure. Je nach Ausprägung können weitere Medikamente infrage kommen.
Antihistaminika blockieren die Wirkung von Histamin an bestimmten Rezeptoren und können dadurch Beschwerden lindern. Sie beseitigen jedoch nicht die Ursachen, die zu einer verstärkten Aktivierung der Mastzellen beitragen.
Mastzellenaktivierung ganzheitlich behandeln
Der ganzheitliche Ansatz setzt an möglichen Ursachen und Einflussfaktoren an. In diesem Zusammenhang spielen diverse Bereiche eine Rolle:
- Darm sanieren: Da sich viele Mastzellen im Magen-Darm-Trakt befinden, wird der Zustand des Darms berücksichtigt. Ziel ist es, die Darmbarriere und ein ausgeglichenes Darmmilieu zu unterstützen.
- Immunsystem stärken: Allergien, Infektionen und andere Belastungen beeinflussen die Aktivität der Mastzellen. Deshalb wird betrachtet, welche Faktoren das Immunsystem dauerhaft reizen.
- Ernährung optimieren: Eine angepasste Ernährung hilft, persönliche Trigger zu erkennen und die Aufnahme von Histamin bei Bedarf zu reduzieren.
- Mikronährstoffe verabreichen: Abhängig von der jeweiligen Situation kann eine gezielte Versorgung mit bestimmten Mikronährstoffen die Behandlung ergänzen.
Ziel ist es, mögliche Trigger der Mastzellaktivierung zu erkennen, den Körper gezielt zu unterstützen und die Mastzellen langfristig zu stabilisieren.

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